Erschweren Smartphones die Völkerbegegnung?

Erschweren Smartphones die Völkerbegegnung?

Mages: Sie erleichtern die Vorbereitung einer Begegnung und auch das Aufrechterhalten der Kontakte nach einer Begegnung. Aber während der Begegnung erschweren sie die Völkerbegegnung eindeutig. Austauschschüler, die während des Unterrichts, während der Stadtführung oder eines Museumsbesuchs, während des Essens in einem bayerischen Wirtshaus ihre Mails checken, Spiele spielen, im Internet surfen, Filme anschauen, nehmen nicht wahr, was in der Klasse läuft, wohin der verantwortliche Begleitlehrer abbiegt, was der Fremdenführer sagt, wie der Austauschpartner sich im Augenblick fühlt, was da auf dem Teller liegt, was in der Gruppe gerade abgeht, was links und rechts zu sehen ist, ob sich das Wetter ändert, ein Hindernis im Weg liegt, ein Auto kommt, die Ampel auf Grün schaltet. Fremdsprachen lernt man nicht durch Weghören und Wegschauen, sondern durch Aufpassen, Hinhören, genaues Beobachten,  Dabeisein, Vergleichen. Wie soll z. B. Schulstoff abgespeichert werden, wenn das Gehirn mit etwas anderem beschäftigt ist? Multitasking geht vielleicht bei geschickten Menschen im Haushalt, aber nicht in der Schule und auch nicht beim Schüleraustausch. Da braucht es Zuwendung zu Menschen, Wachheit, Interesse an Kultur, Neugier auf Schule im anderen Land, Offenheit für nie Dagewesenes, Teamgeist, Höflichkeit. Wer von den Gastgebern will dauernd die zweite Geige spielen, um Aufmerksamkeit ringen müssen, keine Gelegenheit für Gespräche finden und eigene Bedürfnisse zurückstecken, weil dem Gast seine Smartphone-Inhalte wichtiger sind? Weder der Austauschpartner noch die Gastfamilie noch die Lehrerinnen.

Unablässige Handynutzung drückt Missachtung gegenüber  Mitmenschen aus, ist oft Ausdruck eines Suchtverhaltens. Bei Gemeinschaftsveranstaltungen nicht ausgeschaltete Smartphones schädigen die gute Sache des Schüleraustauschs und demotivieren all jene Leute, die sich bei der Programmgestaltung  große Mühe gegeben haben.

               Miteinander funktioniert hier beim Kartenspielen im Zug.

Gabriele Mages

 

Titelbild: Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Misslbeck

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