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Kategorie: Fachschaft Russisch

Schlaglichter: Unser Aufenthalt an der Kapzow-Schule Nr. 1520 in Moskau vom 30. März bis 8. April 2019

Schlaglichter: Unser Aufenthalt an der Kapzow-Schule Nr. 1520 in Moskau vom 30. März bis 8. April 2019

Der Kreml

Als wir durch die strenge Sicherheitskontrolle des Kremls gelangt waren, wartete schon die englischsprechende Führerin auf uns. Wir alle waren sehr beeindruckt von den bis zu 19 Meter hohen Mauern und anderen schönen Sehenswürdigkeiten, wie einer 40 Tonnen schweren Glocke, einer Kanone, deren Kugel 1 Tonne wiegt, und vielem mehr. Der Kreml ist der älteste Teil Moskaus, dort gibt es mehrere altertümliche Kathedralen. Nachdem wir eine Weile geführt über das Gelände spaziert waren, gingen wir zuletzt alleine in die Erzengel-Kathedrale. In diesem alten Gebäude wurden alle Zaren bis 1712 begraben, ab diesem Zeitpunkt verlegte Peter der Große die russische Hauptstadt von Moskau nach St. Petersburg, wo die später verstorbenen Regierungshäupter beigesetzt wurden. Neben den historisch bedeutenden Teilen des Kremls haben wir auch den Regierungssitz, also den Arbeitsplatz von Vladimir Putin zumindest von außen gesehen. Abends hörten wir im Kremlpalast ein sinfonisches Rock-Konzert des Concord Orchesters mit cooler Bühnenshow. (Iris Seib)

„Garage“

Am Montag, dem ersten April war unser erster Tag in der Schule. Es war sehr interessant, den Unterricht zu sehen und  die Schule  mit dem CSG zu vergleichen. Zum Beispiel ist es dort üblich, dass die Schüler ihr Handy benutzen dürfen. Später wurden wir  sehr herzlich von der Direktorin, Frau Kiritschenko, empfangen und von Herrn Gavrilov durchs Schulmuseum geführt  Dort konnten wir interessante Exponate aus dem Leben der Kaufmannsfamilie Kapzow betrachten und viel über die Geschichte der Schule – einer der ältesten in Moskau – erfahren. Weiter ging es mit einem interessanten Ausflug in das zeitgenössische Moskauer Museum für zeitgenössische Kunst „Garage“, bei dem uns Frau Tschernobrodova begleitete. Gelegen ist es im Gorki-Park, in der Nähe des Gartenrings, der das Moskauer Zentrum umschließt.

Da wir auf dem Hinweg von einer Art Schneesturm überrascht wurden, kam uns das Museum gerade recht. In der Eingangshalle waren wir direkt beeindruckt von einer gigantischen rot-blauen Stahlskulptur und das Erstaunen zog sich durch die gesamte Führung. Ein junger Mann namens Anton führte uns durch die Werkausstellung des Pakistaners Rashid Araeen. Am meisten beeindruckte uns sein Bodenkunstwerk aus lauter leeren Bier- und Weinflaschen (nicht zu verwechseln mit den Flaschen, die dieses bestauntenJ). Mit ihm kritisiert Araeen die Tatsache, dass viele nördliche Naturvölker infolge der Einfuhr von Alkohol durch die Kolonialherren vernichtet wurden. Anton klärte uns  darüber auf, dass auch viele der anderen Kunstwerke in dieser Ausstellung eine wichtige politische Aussage haben. Insgesamt war es die Intention des reiferen Künstlers, sich gegen den in der Kunstszene herrschenden Rassismus einzusetzen, dem nicht-britische oder nicht-amerikanische abstrakte Künstler wie er selbst ausgesetzt sind. Insgesamt war dies ein nachdenklicher Ausklang des ersten Schultages. (Paula Stoll)

Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Dienstag, der vierte April – der Tag begann mit einer Matheprobe bei einigen russischen Austauschpartnern. Daraufhin begaben wir uns zu unserem täglichen Treffen mit Frau Mages  in der Mensa. Es gab Hühnchenfleisch, als Vorspeise Salat „Olivier“ und Mors, ein köstliches russisches Moosbeergetränk. Nach dem stärkendem Mittagessen fuhren wir unter der Leitung von Frau Jazina mit der Metro zum  Kosmos-Pavillon auf dem sehr weitläufigen WDNCha-Gelände, welcher eine umfassende Ausstellung über die Geschichte  der russischen Raumfahrt bietet – von den ersten zaghaften Versuchen, Satelliten  in die Stratosphäre zu schießen,  über den Sputnik-Erfolg bis hin zu den neuesten Entwicklungen in der internationalen Raumstation ISS. (Alejandro Graf de Miguel)

Puschkin-Wohnung auf dem Arbat

Nach zwei Schulstunden mit dem Austauschpartner und einem kurzen Treffen mit allen Beteiligten wegen einer Geburtstagfeier machten wir uns am Mittwoch zu Fuß auf den Weg zum Arbat, auf dem die erste eheliche Wohnung des bekannten Nationaldichters Alexander Sergejewitsch Puschkin liegt. Obwohl die Fußgängerzone sehr belebt ist, erkennt man das Haus, in dem er wohnte, sofort wegen seiner Pracht. In der zweistündigen Führung erfuhren wir viel über  Puschkins Leben und seine Zeit. Die Führung bestand aus zwei Teilen. Die acht Säle im Erdgeschoss sind der Ausstellung „Puschkin und Moskau“ gewidmet, zeigt seine Tagebücher und viele Porträts seiner Zeitgenossen. Da die Originaleinrichtung der frisch verheirateten Puschkins nicht erhalten blieb, weil nach ihnen noch bis 1986 viele andere in der Wohnung gelebt haben, füllen den ersten Stock einzelne Möbelstücke und Gegenstände aus Puschkins Lebenszeit. (Diana Braun)

Operette

Am selben Abend ging es für unsere Gruppe in die Operette „Die Zirkusprinzessin“ im Moskauer Musicaltheater am Puschkinplatz. Das Stück wurde von Emmerich Kálmán 1926 geschrieben. Es handelt von „Mister X“, der als stets maskierter Akrobat auftritt. Allerdings ist er in Wirklichkeit der enterbte Neffe eines verstorbenen Petersburger Fürsten. Die Witwe dieses Fürsten verliebt sich in den Neffen, ohne zu wissen, dass er Mister X ist, und die beiden werden ein Paar. Als es zur Hochzeit kommt, deckt ein Nebenbuhler durch eine Intrige auf, dass die Witwe gerade dabei ist, den Akrobaten Mister X zu heiraten . Die Braut ist blamiert, denn man sieht in ihr jetzt nur eine „Zirkusprinzessin“. Die Trennung der Liebenden ist unvermeidlich, aber in Wien findet man sich wieder. Ein amüsanter dritter Akt schließt die schwungvolle Operette ab. Die Mischung aus Gesang, Tanz und  Gesprächen zwischen den Darstellern hat viel Abwechslung in das Stück gebracht. Alles in allem war dieser Mittwoch ein sehr schöner Tag. (Lisa Kühn)

Marfa-Mariinskaja-obitel: Martha-Marien-Frauenkloster der Barmherzigkeit

Am Donnerstag hatten wir am Morgen von 8:30 bis 10:30 Uhr die Möglichkeit, mit unseren Austauschpartnern  an deren Unterricht teilzunehmen. Danach, um 10:35 Uhr durften wir eine eigens für uns organisierte Russischunterrichtsstunde zur Landeskunde besuchen. Nach dem  Gruppentreffen und einem Mittagessen machten wir uns unter der Leitung von Frau Murzina mit der Metro auf den Weg zum  Marfa-Mariiskaja-obitel. Dieses Frauenkloster wurde von Großfürstin Elizabeth Feodorovna, welche die Schwester der letzten Kaiserin von Russland und wie diese eine ursprünglich evangelische Prinzessin von Hessen-Darmstadt war, nach dem Tod ihres Mannes Sergej Alexandrovic errichtet. Dieser, ein Bruder des letzten Zaren Nikolaus II., wurde 1905 von  einem Terroristen getötet. Seine Frau verkaufte daraufhin ihren Schmuck, um das Jugendstilkloster zu gründen und als orthodoxe Äbtissin zu leben. Sie wollte eine religiöse Gemeinschaft gründen, welche aus Frauen aller Schichten bestand. Sie verehrten  die Heiligen Martha und Maria durch Gebete und indem sie Armen halfen. Auch heutzutage wird dort noch den Armen der Stadt geholfen. Auf dem Gelände des Klosters steht seit damals auch ein Krankenhaus, welches immer noch in Betrieb ist.

Das Kloster wurde in den 20er Jahren geschlossen, in den 90ern wiederbelebt.  Elisabeth wurde wie andere im Zuge der Oktoberrevolution erschossene Mitglieder der Romanov-Familie von der russisch-orthodoxen Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts heiliggesprochen, die Skulptur der Enkelin von Königin Viktoria und Großtante von Prinz Philipp findet sich außen an der Westminster Abtei in London. (Jonathan Knote)

 Empfang in der Moskauer Duma, dem Rathaus

Der Freitag startete mit einer Deutschstunde, in der wir mit Neuntklässlern zusammenarbeiteten. Wir unterhielten uns mit ihnen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Ernährung in Deutschland und Russland und durften zum Schluss noch ein Plakat gestalten, auf dem wir unsere Ideen festhielten. Danach ging es zu Fuß los in die Moskauer Duma. Nachdem wir genauestens kontrolliert worden waren – glücklicherweise hatten alle an ihren Pass gedacht – wurden wir von einer sehr netten Stadträtin im kleinen Konferenzsaal begrüßt, die uns nach einem Erinnerungsfoto an eine junge Dame übergab, die charmant durch das Gebäude führte. Danach durften wir den Großen Sitzungssaal von oben begutachten und die angrenzend gelegene Wechselausstellung zur Bedeutung der Weltraumfahrt im Alltagsleben bewundern. Hochinteressante Bilder wie auch Souvenirs aus Bayern und anderen Regionen der Welt waren in der Bibliothek zu finden! Portraits von Männern und Frauen außen um den Sitzungssaal herum fielen uns ins Auge und wir erfuhren, dass hier die Ehrenbürger Moskaus verewigt sind. Daraufhin wechselten wir das Gebäude und  befanden uns in einem sehr schönen alten Gebäudetrakt, welcher früher vom russischen Adel bewohnt war. Besonders imponierten uns die großen breiten Treppen und der Ballsaal! Interessant zu hören war auch, dass den Gästen früher nur die ersten beiden Stockwerke zugänglich waren. Wenn man in den dritten Stock wollte, musste man eine kleine unscheinbare Bedienstetentreppe nehmen, von deren Existenz die offiziellen Gäste nichts wussten. Besonders schön erschienen die Wände, die grazil bemalt waren und manche sogar so geschickt, dass es aussah, als wäre die Decke plastisch abgesetzt mit Rillen.

Danach ging es zum Mittagessen in ein nahegelegenes Restaurant, wo wir sehr gut gegessen haben. (Pia Bacher)

Alexander Solschenizyn

Anschließend marschierten wir  zur Museumswohnung des berühmten Schriftstellers und sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn. Der Weg führte durch  eindrucksvolle Hinterhöfe mit Häusern, die wie aus grauen Legosteinen gebaut schienen. Wir traten in eines dieser Wohngebäude, stiegen zu einer dieser Wohnungen hinauf und gaben unsere Jacken und Rucksäcke in der Umkleide ab. Um den Boden der eigentlichen Museumswohnung nicht zu beschmutzen, mussten wir seltsame blaue Folien über unsere eigentlich ziemlich sauberen Sneaker ziehen, die nachher weggeworfen wurden – Plastikmüll. Auf ging’s zur Wohnung Solschenizyns. In dieser erfuhren wir einiges über den Schriftsteller und sein Leben, wie zum Beispiel, dass er kritisch gegenüber dem Kommunismus und Stalin war, im Untergrund forschte und schrieb, während er offiziell als Lehrer arbeitete. Deshalb kam er nach dem Zweiten Weltkrieg in Lager- und Sonderhaft und musste Zwangsarbeit leisten. Er ist der Schriftsteller, der mit der Erzählung “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch” schlagartig in der  ganzen Welt berühmt wurde, in welcher er erstmalig den Alltag in den sowjetischen Arbeitslagern, auch Gulags genannt, beschreibt. Die Veröffentlichung war in der Tauwetterperiode 1962 mit Erlaubnis Chruschtschows möglich geworden.

Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Kommunismus durfte Solschenizyn offiziell nicht in der Hauptstadt gemeldet sein, lebte aber inoffiziell mit seiner Frau und drei kleinen Söhnen dort. 1970 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, den er sich 1972 in der UdSSR verleihen ließ. Wäre er nach Stockholm gefahren, hätte er nicht zurückgedurft. 1974 wurde er in der jetzigen Museumswohnung verhaftet, ausgebürgert und ausgewiesen. Über Deutschland, wo ihn Heinrich Böll unterstützte, kam er 1976 in die USA, wo er seine Arbeit fortsetzte. 2007, nach der Rückkehr nach Russland von Wladiwostok aus, erhielt er den Staatspreis der Russischen Föderation. Diese Preise hat er redlich verdient, da er die Person war, die die Außenwelt über die grausamen Bedingungen in den Gulags informiert hat und somit mutig genug war, in der Zeit der UdSSR zu einer Art Whistleblower zu werden. (Valentin Härter)

 

Haben wir ein Anrecht auf Glück?

Haben wir ein Anrecht auf Glück?

Dieser Frage widmet sich Lew Tolstoj in seinem Meisterwerk „Anna Karenina“. Auch die Schüler des Russisch-Oberstufenkurses gingen dieser Frage beim ausschnitthaften Lesen des Romans nach. Schnell wurde klar, dass das Schicksal der jungen Anna Karenina ein tragisches ist. Die unglückliche Ehe mit dem 20 Jahre älteren Staatsbeamten Alexej Karenin, mit dem Anna einen gemeinsamen Sohn hat, scheint sie regelrecht in die Arme des jungen und leidenschaftlichen Grafen Alexej Wronskij zu treiben. Anna geht eine zunächst heimlich gehaltene Liebesaffäre mit Wronskij ein, aus der eine Tochter hervorgeht. Schließlich bekennt sie sich zu Wronskij und ist bereit, die Folgen in Kauf zu nehmen: Die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verachtet sie, ihr Ehemann bestraft sie, indem er ihr den Kontakt zu ihrem Sohn verbietet, sie selbst verfällt in Wahnideen und Selbstzweifel. Sogar die Liebe zu Wronskij verwandelt sich in Hass. Am Ende erscheint ihr der Tod als einziges Mittel, um ihr eigenes Leid zu beenden. 

Dem Leser des Romans fällt es nicht schwer, Annas Entscheidungen zu begreifen. Gelingt das aber auch auf der Bühne in Form eines Balletts? Anbei die Eindrücke der Schüler, die am 17. Mai, nach Beendigung der Romanlektüre, das Ballettstück „Anna Karenina“ des deutschen Choreographen und Regisseurs Christian Spuck in der Bayerischen Staatsoper in München besuchten.

„Noch bevor das Stück angefangen hatte, waren wir überwältigt von der Ausgestaltung der Staatsoper – von innen wie von außen. Im Zuschauerraum nahmen wir unsere Plätze im obersten Rang, der Galerie, ein, weshalb einige kurz mit der Höhe zu kämpfen hatten. Das spannende Ballettstück ließ uns jedoch alle Ängste schnell überwinden. Während der Aufführung schauten wir gebannt den vielen Balletttänzern zu, wie sie äußerst eindrucksvoll die Handlung der Romanvorlage vertanzten. Abgesehen davon, dass es uns teilweise etwas schwerfiel, bestimmte Charaktere der Handlung auszumachen, was nicht verwunderlich ist, da im Roman insgesamt drei verschiedene Familiengeschichten näher beleuchtet werden, gab es glücklicherweise keine weiteren Verständnisprobleme. Während das Bühnenbild sehr schlicht gehalten war und so die Verlorenheit der Figuren symbolisieren sollte, waren die Kostüme hingegen äußerst prunkvoll und ließen den Reichtum der Petersburger Gesellschaft erkennen. Die gezielt eingesetzten Video-Projektionen, die die Orte des Geschehens andeuteten, sorgten dafür, dass man als Zuschauer dem Geschehen gut folgen konnte. Am eindrucksvollsten war aber die großartige Leistung der Tänzer, die die Geschichte nicht einfach nur vertanzten. Mithilfe von Gesten wurde auf der Bühne gestritten, geliebt und verzweifelt. Die musikalische Begleitung durch das Orchester, das unter anderem Werke von Sergej Rachmaninow spielte, und eine unerwartete Einlage einer Opernsängerin vollendeten den Gesamteindruck.“

Wie dem Autor des Romans gelingt es auch dem Regisseur des Ballettstücks, die inneren Konflikte der Hauptprotagonistin freizulegen. Anna Karenina suchte nach Glück und konnte es nicht finden. Der Romanautor stellte sich die Frage, ob Anna, und damit auch ob wir alle, ein Anrecht auf Glück haben und beantwortet sie damit, dass wir nicht richten dürfen über die anderen, da wir so das Unglück erst schaffen.

Katharina Herdt & Russisch-Oberstufenkurs

Eduard Uspenskij: Über unserer Wohnung

Eduard Uspenskij: Über unserer Wohnung

Gedicht für Kinder, übertragen ins Deutsche von der Klasse 10c Russisch im Schuljahr 2018/19

Über unserer Wohnung lebt ein Hund.

Er bellt und bringt uns um die Nachtruhe.

Um den Schlaf bringt er uns.

 

Und über dem Hund lebt eine Katze.

Sie miaut und bringt den Hund um die Nachtruhe.

Um den Schlaf bringt sie den Hund.

 

Und über der Katze lebt eine Maus.

Sie seufzt und bringt die Katze um die Nachtruhe.

Um den Schlaf bringt sie die Katze.

 

Nachts klopft der Regen auf das Dach.

Deshalb kann die Maus nicht schlafen.

Die ganze Nacht schläft die Maus nicht.

 

Am Himmel ziehn traurig die Wolken.

Die Wolken schluchzen, es fließen Tränen.

Die Tränen fließen als Regen.

 

Die Wolken hat Klein-Donner gekränkt,

als er mit der Faust die Wolken geklopft hat.

Mit der Faust geklopft – ba-bum!

 

Der 1937 geborene und  in der russischsprachigen Welt enorm bekannte und beliebte Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Eduard Uspenskij ist 2018 verstorben. Sein 1966 geschaffenes Kinderbuch „Krokodil Gena und seine Freunde“, das in mehreren Zeichentrickserien mit dem Titel „Tscheburaschka“ vorliegt, macht ihn unsterblich. Viele Kindergenerationen kennen Tscheburaschka und andere Figuren darin als Spielzeuge, daneben als Maskottchen für sportliche Großwettbewerbe. Die Texte der Lieder aus den Filmen sind Volksgut geworden. Das Liedchen von Krokodil Gena wird bei Gratulationen zum Geburtstag bestimmt häufiger geschmettert als die russische Version von „Happy birthday to you“.

Deshalb wurde der Vorschlag gemacht, einen Internationalen Eduard-Uspenskij-Literaturpreis zu stiften.

Gabriele Mages

                                                                                             

„Der Nussknacker“ zu Gast in Ingolstadt

„Der Nussknacker“ zu Gast in Ingolstadt

Am 4. Dezember 2019 durften Schüler des Russischunterrichts der Jahrgangsstufen 8, 9 und 11 sowie ehemalige aus 12 das Ballettstück „Der Nussknacker“ im Stadttheater Ingolstadt besuchen. Aufgeführt wurde dieses von der Tatarischen Staatsoper Kasan. Die Truppe kam also aus der sehr modernen Hauptstadt der Tatarischen Republik angereist, die an der Wolga liegt und zur Russischen Föderation gehört. Die Musik zum Ballett stammt von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij, dem berühmtesten russischen Komponisten, das Libretto geht auf Marius Petipa zurück. Die Handlung hat ihren Ursprung im Kunstmärchen „Nussknacker und Mausekönig“ des deutschen Dichters E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1816.

Die Vorstellung fing um 19.30 Uhr an und die Tänzer unterhielten die Zuschauer gut zwei Stunden lang damit, dass sie ihnen das Gefühl gaben, in einer anderen Welt zu sein. Außerdem war das Stück für jede Altersklasse geeignet und im komplett ausverkauften Theater konnte man vom Grundschulkind bis zu den Großeltern alle Generationen vertreten sehen. „Der Nussknacker“ ist nämlich das beliebteste Ballett der Welt, Karten sind besonders in der Weihnachtszeit begehrt. Schließlich erzählt es davon, wie zu Weihnachten geschenkte Puppen, darunter ein Nussknacker, im Traum eines Mädchens lebendig werden.

Der Tanz wurde jeweils der Musik angepasst, sodass alles sehr stimmig und passend war. Man sah, wie viel Mühe sich die Tänzer gaben und wie lange sie wohl dafür geprobt hatten. Die Kostüme fand ich atemberaubend schön.  Mir wurde klar, dass man sich über jedes kleine Detail Gedanken gemacht hatte und diese auch umsetzte. Das Bühnenbild passte meiner Meinung nach jeweils zu den verschiedenen Charakteren und Stimmungen des Ballettstückes, genau wie der Hintergrund und die Beleuchtung. Es sah für den Zuschauer so aus, als würden die Ballerinas mit ihren Füßen über die Bühne schweben, und sie brachten auch viele Gefühle wie Trauer oder Freude sehr gut zum Ausdruck. Es gab lustige, spannende und auch traurige Szenen zu sehen.

Mir hat das Ballettstück sehr gut gefallen und gerne würde ich auch ein zweites Mal dorthin gehen.

Alisia Tataridou, 8c

RÜCKBLICK: Der „Wilde Westen“ war einmal – Filmvortrag von A. Gardel über „Jakutien“ im wilden Osten

RÜCKBLICK: Der „Wilde Westen“ war einmal – Filmvortrag von A. Gardel über „Jakutien“ im wilden Osten

Der passionierte Angler und Kanute A. Gardel aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zeigte am Freitag, den 6. Juli 2018 den Russischschülern der achten bis zehnten Jahrgangsstufe in Raum 161 einen selbst gedrehten und geschnittenen Film über seine Reise auf der Amga, einem unberührten Nebenfluss der sibirischen Lena, die die dünn besiedelte Republik Jakutien durchfließt und entscheidend prägt. Herr Gardel ist so fasziniert von der sommerlichen Natur in diesem fernen Teil Russlands, dass er bereits viele abenteuerliche Reisen dorthin unternommen hat und sogar auf eigene Faust Russisch lernt. Mit den mitreisenden Jakuten, die einem turksprachigen Volk angehören, kann er sich beim gemeinsamen Paddeln, Angeln, Kochen und Baden inzwischen jeden Sommer ganz gut verständigen. Obwohl Jakutien überwiegend Permafrostboden aufweist, kann man im Sommer dort zelten und in den Flüssen bei angenehmen Temperaturen baden oder schwimmen.

Sein Interesse an Russland wurde durch die Perestroika-Politik Gorbatschows in den 80er Jahren geweckt, wie er selbst sagte, und hält seitdem an. Beruflich ist er für einen großen deutschen Konzern viel in der Welt herumgekommen, hat aber nirgends so wilde und unberührte Natur kennengelernt wie eben in Jakutien.  Von den schönen Landschaften, den abwechslungsreichen Uferformation, der unbekannten Pflanzenwelt, dem klaren Wasser, dem Fischreichtum und den Möglichkeiten, an einem Lagerfeuer appetitliche Speisen zuzubereiten, konnten sich die teilnehmenden Klassen mit eigenen Augen überzeugen. Sogar Felsenmalereien aus fernen Vergangenheiten waren zu sehen.

G. Mages

Erschweren Smartphones die Völkerbegegnung?

Erschweren Smartphones die Völkerbegegnung?

Mages: Sie erleichtern die Vorbereitung einer Begegnung und auch das Aufrechterhalten der Kontakte nach einer Begegnung. Aber während der Begegnung erschweren sie die Völkerbegegnung eindeutig. Austauschschüler, die während des Unterrichts, während der Stadtführung oder eines Museumsbesuchs, während des Essens in einem bayerischen Wirtshaus ihre Mails checken, Spiele spielen, im Internet surfen, Filme anschauen, nehmen nicht wahr, was in der Klasse läuft, wohin der verantwortliche Begleitlehrer abbiegt, was der Fremdenführer sagt, wie der Austauschpartner sich im Augenblick fühlt, was da auf dem Teller liegt, was in der Gruppe gerade abgeht, was links und rechts zu sehen ist, ob sich das Wetter ändert, ein Hindernis im Weg liegt, ein Auto kommt, die Ampel auf Grün schaltet. Fremdsprachen lernt man nicht durch Weghören und Wegschauen, sondern durch Aufpassen, Hinhören, genaues Beobachten,  Dabeisein, Vergleichen. Wie soll z. B. Schulstoff abgespeichert werden, wenn das Gehirn mit etwas anderem beschäftigt ist? Multitasking geht vielleicht bei geschickten Menschen im Haushalt, aber nicht in der Schule und auch nicht beim Schüleraustausch. Da braucht es Zuwendung zu Menschen, Wachheit, Interesse an Kultur, Neugier auf Schule im anderen Land, Offenheit für nie Dagewesenes, Teamgeist, Höflichkeit. Wer von den Gastgebern will dauernd die zweite Geige spielen, um Aufmerksamkeit ringen müssen, keine Gelegenheit für Gespräche finden und eigene Bedürfnisse zurückstecken, weil dem Gast seine Smartphone-Inhalte wichtiger sind? Weder der Austauschpartner noch die Gastfamilie noch die Lehrerinnen.

Unablässige Handynutzung drückt Missachtung gegenüber  Mitmenschen aus, ist oft Ausdruck eines Suchtverhaltens. Bei Gemeinschaftsveranstaltungen nicht ausgeschaltete Smartphones schädigen die gute Sache des Schüleraustauschs und demotivieren all jene Leute, die sich bei der Programmgestaltung  große Mühe gegeben haben.

               Miteinander funktioniert hier beim Kartenspielen im Zug.

Gabriele Mages

 

Titelbild: Empfang im Rathaus durch Bürgermeister Misslbeck

Shakespeare trifft auf Prokofjew

Shakespeare trifft auf Prokofjew

„There is no end to my love – the more I give, the more I have to give.“ – Das sind die Worte, mit Hilfe derer die junge Julia ihrem Angebeteten Romeo ihre unendliche Liebe zusichert. Doch wie lässt sich ein solches Liebesbekenntnis in einem Ballett auf die Bühne bringen? Dieser Frage gingen Russischschüler der achten und zehnten Jahrgangsstufe am 28. November beim Besuch einer Aufführung des Rumänischen Staatsballetts „Oleg Danovski“ nach. Das dynamische Ballettensemble, das an zwei Abenden das Neuburger Stadttheater bis zum Bersten füllte und die Zuschauer begeisterte, zeigte eine eindrucksvolle Choreografie zu den Stücken des sowjetischen Pianisten und Komponisten Sergej Sergejewitsch Prokofjew, dessen Ballett „Romeo und Julia“ 1938 Uraufführung feierte und nach wie vor als einer der Höhepunkte seines musikalischen Schaffens gilt.

Als besonders gelungen hoben die Schüler die Darstellung der beiden Hauptakteure des Stücks hervor. Mit Hilfe von Mimik, Gestik und ausdrucksstarkem Tanz erzählten die Tänzer des Rumänischen Staatsballetts auf der Bühne des Stadttheaters von der bedingungslosen Liebe zwischen Romeo und Julia und ihrem tragischen Ende – was sich angesichts der vielen Darsteller, die die beiden zerstrittenen Familien Montague und Capulet verkörperten, als große Herausforderung darstellte und dennoch allen Beteiligten – auch ohne Worte – geglückt ist.

Weitere Texte und Bilder finden sich im Russischschaukasten gegenüber Raum 133.

 

Katharina Herdt und Gabriele Mages